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#Wissen

Innen­dämmung bei Altbau­sa­nierung
Mine­ral­dämmung als ökologische und nachhaltige Lösung

2002 AAC Zanotto 4a

Bei denk­mal­ge­schützten Gebäuden ist eine Sanierung mit Innen­dämmung oft die einzige Möglichkeit, um die ener­ge­tische Leistung der bestehenden Aussenwände zu erhöhen.
Welche Stol­per­steine für ein funk­tio­nie­rendes Sanie­rungs­konzept sind in der Planung und Ausführung zu beachten?

von Valentina Zanotto und Marcus Knapp, Amstein + Walthert Zürich

Durch zahlreiche Meldungen von Bauschäden in Verbindung mit Innen­dämmung, hat die Lösungs­strategie der Innen­dämmung in den letzten Jahren einen vermehrt schlechten Ruf erhalten und wird oft nur mit dünneren Dämm­schichten ausgeführt (empfohlen max. 6 – 8 cm).

Ein gut geplantes Innen­dämm­system ist allerdings nicht zwangs­läufig zum Scheitern verurteilt. Für eine erfolg­reiche, nachhaltige Innen­dämmung ist eine sorgfältige Planung sowie Ausführung unum­gänglich. Nachstehend beleuchten Valentina Zanotto und Marcus Knapp von Amstein + Walthert Zürich die allgemeinen Rand­be­din­gungen für eine erfolg­reiche Innen­dämmung im Denkmal.

Knapp zanotto amsteinwalthert

Valentina Zanotto erhielt im Jahr 2007 ihren Master-Abschluss in Architektur am Politecnico di Milano. Während ihrer Doktor­arbeit, welche 2011 abge­schlossen wurde, arbeitete sie an Forschungs­pro­jekten zur thermischen Behag­lichkeit und dynamischen Leistung der Gebäu­dehülle. Seit 2012 arbeitet sie als Consultant Bauphysik bei Amstein + Walthert AG in Zürich, mit einem Fokus auf Wärme- und Feuch­te­schutz sowie Gebäu­de­si­mu­lation. Aktuell ist sie Team­leiterin in der Abteilung Bauphysik.

Marcus Knapp ist Holz­bau­in­genieur mit einem Nachdiplom in Akustik. Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung als Consultant Bauphysik und Akustik, mit einem Schwerpunkt in Holzbau. Seit 2010 ist er ist er Bereichs­leiter der Abteilung Bauphysik bei Amstein + Walthert AG, wo er aktuell auch Partner und Mitglied der Geschäfts­leitung ist.

Innen­dämmung bei der Sanierung von denk­mal­ge­schützten Gebäuden

Bei denk­mal­ge­schützten Gebäuden, an denen keine bauliche Veränderung der Fassa­den­ansicht möglich ist, ist eine Innen­dämmung oft die einzige Möglichkeit, einen guten ener­ge­tischen Standard zu erreichen. Diese Massnahme wird oft im Zusam­menhang mit einem Ersatz der bestehenden Fenster durch moderne luftdichte Elemente und luftdichten Anschlüsse ausgeführt, was eine Erhöhung der Feuch­te­be­lastung im Innenraum aufgrund des reduzierten Infil­tra­ti­ons­luft­aus­tauschs zur Folge haben kann. Die Erstellung eines entspre­chenden Lüftungs­kon­zeptes ist dabei zwingend erforderlich. 

Diese Lösungen stellen aus Sicht des Feuch­te­schutzes eine Heraus­for­derung dar, indem eine zu wenig sorgfältige Planung bzw. Ausführung Bauschäden zur Folge haben kann. 

Planung

Eine zusätzliche innen liegende Wärme­dämmung bewirkt einen Tempe­ra­tur­abfall innerhalb der Bestands­kon­struktion. Dadurch kann es zu einer erhöhten Feuch­te­be­lastung im Grenz­bereich zwischen Innen­dämmung und bestehender Wand­kon­struktion kommen. Die grössten Risiken dabei sind die Bildung von Kondens­wasser an dieser Stelle oder die Verschiebung der tieferen Frostgrenze im Bauteil­quer­schnitt. Durch die Wärme­dämm­schicht wird zusätzlich das Austrock­nungs­po­tential der Konstruktion nach innen verhindert. Dies kann besondere Schwie­rig­keiten bei den Aufbauten verursachen, welche eine relativ diffu­si­ons­dichte Aussen­schicht aufweisen (z.B. Sicht­stein­fassade etc.).

Zwischen den möglichen Innen­dämm­sy­stemen werden daher bei Sanierungen haupt­sächlich diffu­si­ons­offene «feuchteaktive» Systeme gewählt, welche Feuchte mittels anderer Prozesse trans­por­tieren (z.B. Kapil­lar­leitung) oder aufnehmen und wieder abgeben können. Somit wirkt das sanierte System Kondensat-tolerierend” und stellt für die bestehende Konstruktion eine möglichst geringe System­ver­än­derung aus feuch­te­tech­nischer Sicht dar, indem die Feuch­tigkeit innerhalb der Schicht reguliert werden kann und eine Austrocknung nach innen weiterhin möglich ist. Für solche Systeme wird norma­lerweise ein feuchteaktives Wärme­dämm­ma­terial (z.B. kapil­laraktive Mine­ral­dämm­platte usw.) verwendet.

Die Feuch­tema­nagement-Wirkung dieser Lösung ist nur bei bestimmten Rand­be­din­gungen gewähr­leistet. Um als Resultat ein funk­tio­nie­rendes Bauteil zu haben, ist eine sorgfältige Bauteil­di­men­sio­nierung unter Berück­sich­tigung aller relevanten Parameter und dynamischen Prozesse entscheidend. 

Da bei einem System mit Innen­dämmung alle Innenwand- und Trenn­decken­an­schlüsse an der Gebäu­dehülle eine Wärmebrücke darstellen, ist eine fach­ge­rechte Lösungswahl und Dimen­sio­nierung der Details ebenfalls unum­gänglich. Hierbei kann eine mine­ra­lische Innen­dämmung sehr gute Resultate erzielen.

Ausführung

Damit die Rand­be­din­gungen im Betrieb innerhalb der Grenzen der Funk­ti­ons­tüch­tigkeit des Innen­dämm­systems bleiben, ist auch diese «tolerante» Lösung der Innen­dämmung auf eine fach­ge­rechte mangelfreie Ausführung angewiesen. Um ein scha­den­freies Gebäude zu realisieren, brauchen gewisse Aspekte besondere Aufmerk­samkeit. Dies betrifft in vielen Fällen Schnitt­stellen zwischen unter­schied­lichen Gewerken. 

Darum spielen die Koor­di­nation und die Kontrolle durch die Bauleitung eine entscheidende Rolle:

  1. Kaltseitig der Dämmebene angeordnete Hohlräume sind zu vermeiden, da diese zu konvektiven Luftströmen vom feuchten Innenraum und damit zu einer Auffeuchtung führen können. Eine fachgerechte vollflächige Ausführung der Klebemörtel-Schicht zwischen Dämmung und Untergrund spielt in diesem System eine entscheidende Rolle.
  2. Durchdringungen der Wärmedämmebene durch Elektroleitungen, Kanäle, Befestigungselemente etc. stellen Undichtigkeiten dar, welche eine Schwachstelle für das ganze System sind. Aus diesem Grund sind diese möglichst zu vermeiden und, wo dies nicht möglich ist, ist die Luftdichtheit unbedingt sicherzustellen.
  3. Regenschutzmassnahmen (Schlagregendichtheit) an der Aussenhülle sind zwingend erforderlich, um den Feuchteeintrag von aussen zu minimieren. Der vermeidliche Feuchteeintrag von aussen ist bei einem solchen System mit entscheidend.
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